Die Zukunft des Desktops in der Post PC Ära - oder ein Deskperiment

Die Zukunft des Desktops in der Post PC Ära - unser sommerliches Deskperiment
 
Alle Jahre wieder nehmen wir uns bei der Eldorex die Zeit und installieren diverse Betriebssysteme auf Unix (BSD) sowie Linux Basis und testen dabei ein paar Dinge zur Alltagstauglichkeit in einem Firmenumfeld. 
 
Der versierte Techniker wird jetzt einwenden, dass diese, wenn man es richtig macht,allesamt alltagstauglich sind. Unsere Meinung: "Jein". Erstens stimmt das nicht zwingend für die Masse der Benutzer und zweitens stellt sich die Frage mit wie viel Aufwand dies verbunden ist.
 
Den Fokus legen wir hier ganz klar auf den Endanwender, auf die Konsistenz der Benutzeroberfläche des Betriebssystems, ebenso auf die Installation der Apps. Die nachträgliche Installation von Apps ist mittlerweile auch bei den Linux Desktops anwenderfreundlich, sowie optisch ansprechend gelöst und dank dem integrierten Anwendungsmanager (ähnlich dem App Store von Apple und Google) kann man nicht mehr viel falsch machen. 
 

Weitere Punkte in unserem Check sind:

 
Hardware Kompatibilität und Funktionen wie
  • mDNS - Bonjour (Drucker/Scanner hinzufügen)
  • E-Mail, Kontakt, Aufgaben und Kalender Applikationen
  • und dessen Einrichtung für IMAP, Gmail, iCloud, Exchange, macOS Server
  • iPod / iPhone Musik Sync
 
Treiber Kompatibilität 
  • Lädt das OS für die vorliegende Hardware, sprich die Grafik- und Audio-Ausgabe Geräte, die richtigen Treiber?
  • Verwendet das System den richtigen Druckertreiber für gebräuchliche Marken wie HP, Epson, Canon (sofern der Drucker mit einem Klick im lokalen Netzwerk gefunden wird)?
  • Erkennt er die Zusatzfunktionalitäten wieDuplex Druck oder Duplex Scan?
 
Performance
BSD und Linux Systeme sind von Haus aus performanter als die meisten anderen Betriebssysteme. Einzig und alleine die Grafikkarten Treiber und die Frage wieviel GPU zur Verfügung steht, entscheiden darüber, ob 3D Effekte auch flüssig wiedergegeben werden können. Wobei man diese bei einem reinen Arbeitsgerät auch getrost deaktivieren kann, falls die GPU nicht ausreichend sein sollte.
 
Folgende Betriebssysteme haben wir uns intensiv angeschaut bzw. auch zwei Wochen produktiv damit gearbeitet:
 
BSD
        FreeBSD
        True OS
        Oracle Solaris 11.3
 
Linux
        Linux Mint 18.2 (Cineamon)
        Ubuntu 16.04 
        Zorin OS Community
        Zorin OS Professional (kostenpflichtig mit 15€)
        gOS 3.03
 
Beim nachfolgendem Fazit fokussieren wir uns auf die Dinge, die uns nicht gefallen haben, gehen aber auch detailierter auf den Testsieger ein. Zumal uns das Ergebnis selber überrascht hat!
 
FreeBSD / ZeroBSD
Für einen Mitarbeiter in einer KMU ist FreeBSD ungeeignet. Und dass, obwohl es eines der stabilsten und sichersten Betriebsysteme überhaupt ist. Die Benutzerobefläche ist als GUI nicht mit den Linux Varianten vergleichbar. Sie ist nicht homogen und die nachträgliche Installation eines GNU's oder eines Cineamon Desktops ist äusserst kompliziert.
 
Wir verwenden FreeBSD zwar auf Servern, aber als Desktop wollte niemand damit arbeiten.
 
Ubuntu
Ubuntu gehört zu den halbwegs kommerziellen Linux Distributionen und bietet relativ viel für ein kostenloses HighEnd Betriebssystem. Zu bemängeln ist, dass die deutsche Lokalisierung nach wie vor zu wünschen übrig lässt. Die Benutzeroberfläche zum runterladen/installieren von  Apps wurde nicht durchwegs homogenisiert. Auch happert es mit vielen Drucker und Scanner Treibern. Ansonsten ist dieses Betriebssystem optisch sehr ansprechend gestaltet und auch performant.
 
Zorin
Zorin baut auf Ubuntu auf undist in der kostenlosen Version ganz in Ordnung. Von der Professional Variante hingegen dürfte man hinsichtlich Lokalisierung, Grafikkarten-Treiber und Drucker-Treiber mehr erwarten. Ein Windows Nutzer fühlt sich jedoch sofort zu Hause, da die Oberfläche Windows relativ stark ähnlich sieht.
 
gOS
Das gOS 3.3 ist optisch sehr hübsch gestaltet und eignet sich unserer Meinung nach vor allem für Netbooks. Das System ist perfekt für E-Mail Verkehr, zum surfen im Web oder um effizient mit Libre Office zu arbeiten. Die Benutzeroberfläche ist es eher an macOS und Ubuntu angelehnt. Es ist schnell und einfach für jedermann zu bedienen. Mit den Treibern macht es uns das gOS aber nicht so einfach, wie unser Test Sieger.
 
Linux Mint 18.2 (Cineamon)
Unser Testsieger! Das Linux Mint lässt sich am schnellsten installieren, selbst auf alter Hardware. Es ist sehr performant, nahezu perfekt lokalisiert und beherrscht alles, was ein Anwender von einem modernen Computer erwarten darf. Es ist spielend leicht zu bedienen und liefert auch mit einer 256MB Grafikarte flüssige 3D Effekte.
 
Drucker und Netzwerk Scanner lassen sich dank einer grossen Treiber Datenbank undBonjour (mDNS) kinderleicht mit zwei, drei Klicks installieren. Wobei auch Zusatz-Funktionen wie Duplex Einheiten erkannt bzw. angeboten werden.
 
Im Lieferumfang von Linux Mint 18.2 sind alle Apps vorinstalliert, welche man beruflich für Office, Internet, Grafik, Kommunikation, etc. braucht. 
 
Die Benutzeroberfläche ist konstistent und innert Kürze steht dem Benutzer ein vollwertiger Desktop PC zur Verfügung, welcher einer Maschine mit Windows Professional in nichts nachsteht. 
 
Zudem bietet kein anderes Linux eine solche Fülle an Anpassungen an. Ganz nach dem persönlichen Geschmack. Ebenso verfügt es über einen Dark Mode, den man mit einem Klick in den System Einstellungen aktivieren kann, welche zum Beispiel auch von LibreOffice und anderen Apps entsprechend übernommen werden.
 
Die Suche liefert perfekte Ergebnisse und als einziges Linux bietet es einen vernünftigen Datei Explorer (Manager) der sowohl Windows User, wie auch Mac Anwender zufrieden stellt und die System-Ebene ausblenden lässt. Alles in allem bietet Mint die beste und am leichtesten verständliche Benutzerobefläche im Linux Bereich.
 
Wer gerne Dashlet und Widgets verwendet, wird positiv überrascht sein. Linux bietet hier eine gute Auswahl als Extension mit einer eigenen lokalen Verwaltung an. Zudem existiert ein Online-Verzeichnis, dank dessen sich das Gewünschte mit einem Klick installieren lässt. 
 
Fazit
Unsere Mitarbeiter/innen in der Buchhaltung und die Relation Manager/innen haben sich nach dem Test dafür entschieden, ihr Windows 10 Professional durch ein Linux Mint 18.2 zu ersetzen (übrigens auch gleich auf den privaten Notebooks). Sprich, wir sparen in Zukunft 5 Microsoft Windows 11 Pro Lizenzen. Die anderen Mitarbeiter arbeiten bereits mit Linux oder macOS.
 
Das Ergebnis hat den Verfasser dieses Blogeintrags selber überrascht und restlos überzeugt. Pro Mitarbeiter und OS waren jeweils etwa 10 Minuten Einführungszeit notwendig, um Business Apps, Mail, Kalender, Kontakte, Netzwerk Folders und SMB / WebDav anzupassen. Das gesammte Setup benötigte inklusive Anpassungen pro Maschine etwa 35 Minuten Zeit. Die Nutzer fanden sich schnell zurecht um persönliche Anpassungen wie Schreibtisch, Bildschirmschoner und Task Leiste anzupassen.
 
Sollte das Sortiment an verfügbarer Linux-Software mal dem Bedarf des Benutzers nicht genügen, hat dieser die Möglichkeit diverse Windows Applikationen mit Hilfe von Wine unter Linux Mint  zu "emulieren". Aber selbst professionelle Software für CAD, Morphing oder Video- Programme ist für Linux Mint problemlos verfügbar genauso die Photoshop Alternative Gimp wie auch für Illustratoren hats professionelle Grafik Programme en Mass.
 
And last but not least 
Grundsätzlich erhält man mit Linux im Allgemeinen und mit Linux Mint 18.2 im Besonderen, extrem sichere Betriebssysteme, welche dem von Viren geplagten Windows Anwender die Möglichkeit bieten, sich wieder auf das Wesentliche zu fokussieren: Auf seine Produktivität!
 
Linux hat in unseren Augen neben den iPad und Tablets, sicherlich eine prosperiende Zukunft auf den Notebooks und Desktops in der Arbeitswelt, nicht zuletzt da in Organisationen immer mehr Systeme in Web Applikationen verfügbar gemacht werden und Linux mehr als Erwachsen geworden ist. Wohl auch ein Grund, warum Microsoft so heftig in die Linux Community investiert...
 
 
 
 
 

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